„Ich weiß nicht recht, wie ich da hineingeraten bin…“ – so begann meine Reise durch das sagenhafte Wunderland. Doch eines ist sicher: Ich (also Alice) war nicht allein. Ich hatte eine ganze Klasse mit mir, die mutig mit durch das Kaninchenloch sprang. Gemeinsam erschufen wir eine Welt, die so verrückt, wunderschön und tiefgründig war, dass selbst der verrückte Hutmacher kurz innehielt.
„Unmöglich? Aber was ist schon möglich, wenn 35 Achtklässler sich zusammentun und verrückt werden?“ – Grinsekatze
Schon Wochen vor der Aufführung war das Wunderland erwacht – auf Leinwand und Papier. Alle halfen mit, ein gigantisches Hintergrundbild zu gestalten: Farben liefen ineinander wie in einem Traum, Pinselstriche wurden zu Pilzen, Uhren, Türen und Tee. Jeder, wirklich jeder in der Klasse hatte seinen Teil beigetragen – sogar der sonst stille Enterich, der plötzlich ein begnadeter Schattenmaler war. Die Halle? Dekoriert mit meterhohen Papierblumen-Girlanden, flatternden Spielkarten, einer riesigen Uhr und geheimnisvollen Requisiten. Es war, als hätte das Wunderland höchstpersönlich zum Tee geladen.
"Ich habe zwar den Verstand verloren, aber immerhin einen Klebestift gefunden!“ – Der Hutmacher
„Where is the path to Wonderland…“ – so erklang Alices Titelsong, selbst gesungen von unseren Wunderlandbewohnern. Mit Gefühl, Mut und einem Hauch Verrücktheit öffneten sie jedes Mal die Tür zur Fantasie. Und dann: Wonderland von Taylor Swift – kraftvoll, stimmungsvoll und fast schon zu passend. Unser Chor verwandelte die Bühne in einen Klangraum voller Magie. Stimmen verschmolzen zu einem Strom, der das Publikum in eine andere Welt zog – ein musikalischer Sog durchs Spiegelglas.
„Wenn man schon verrückt ist, kann man wenigstens schön dazu singen.“ – Der Hutmacher
Und dann… dann kam die Schwarzlicht-Eurythmie. Magisch. Leise. Fließend. Wie ein Rätsel, das sich nicht lösen lässt. Schmetterlinge flatterten leuchtend im Dunkeln, Bewegungen schwebten durch den Raum – das Publikum war still. Selbst der Zeitzeiger hielt kurz an. Und plötzlich formierten sich die Kartensoldaten – mit rhythmischen Bewegungen, Speeren, Schildern und einem guten Schuss Absurdität. Die Armee? Ernsthaft grotesk. Lustig diszipliniert.
„Ich befehle, dass alle so etwas noch einmal sehen dürfen!“ – Die Herzkönigin
Die Schulaufführung war so bunt, verrückt und mutig in ihrer Kleidung: Ein Hutmacher mit glitzernder Fliege, eine Grinsekatze mit UV-leuchtendem Gesicht, ein weißes Kaninchen mit weißem Hosen-Anzug, Flamingos in Neon-Pink. Jeder trug seine Rolle – sein Kostüm und seine Maske – mit Stolz. Und plötzlich war klar: Hier ist niemand mehr „einfach nur ein Schüler“. Jeder war ein Teil des Traums.
"Einfach herrlich, einfach großartig, einfach unvergesslich!" - Der Flamingo
Es war nicht nur Theater – es war eine Parade der Fantasie: Rollende Pilze, gleitende Throne, tanzende Besteckwaagen – sie rasten in choreografierter Un-Perfektion über die Bühne. Fast hatten sie ein Eigenleben, diese Objekte – als hätten auch sie beschlossen, Teil dieses verrückten Wunders zu werden. Und dann: Fünf Uhr. Zeit für den Tee. Wieder und wieder und wieder. Die Teeparty – mit Abstand die meistgeprobte Szene – war ein Feuerwerk aus absurden Dialogen, Tassenwürfen, Teekannenslaloms und absurden Aussagen. Es wurde so lange geübt, dass einige vermutlich noch im Schlaf murmeln:
„Fünf Uhr! Zeit für den Tee!“ „Dummerchen, wir haben Teezeit!“ – Die Maus
Ob bei der Probenarbeit, beim gemeinsamen Streichen von Kulissen oder beim Lachen über vergessene Texte – diese Klasse ist zusammengewachsen. In der absurden Welt des Wunderlands fanden wir etwas sehr Reales: Vertrauen, Zusammenhalt, Mut. Wer gemeinsam durch das verrückteste Theaterstück der Welt geht, fürchtet sich nicht mehr vor Mathe oder dem nächsten Vokabeltest.
„Ich bin spät dran! Aber ich würde trotzdem sofort wieder mitmachen!“ – Weißes Kaninchen
Das Wunderland schließt seine Türen (vorerst). Doch was bleibt, ist ein Glitzern im Auge, Glitzer an der Nase und ganz viel Stolz im Herzen. Danke an alle, die uns begleitet haben – auf und hinter der Bühne, im Publikum und bei der Reise durch unsere verrückte, wunderbare, absolut unvergessliche 8. Klasse.
„Du bist verrückt, mein Kind. Aber das sind die besten Leute.“ – Lewis Carroll
Katharina Wilkmann, Klassenlehrerin